Philippinische Auslandsfamulatur - Lia Ibbels

Lia Ibbels (links) und Clara Seifert

  17.10.2018    Praxis intern    Auslandsfamulatur, Lia Ibbels, Philippinen

Wir, Lia (links) und Clara (rechts), lernten uns im 3. Semester an der Justus-Liebig-Universität in Gießen kennen. Es war uns relativ schnell klar, dass wir uns nach dem Examen, als examinierte Zahnärztinnen, gemeinsam im Ausland sozial engagieren wollen.

Mit unserer Recherche nach möglichen Auslandsfamulaturen begannen wir im 8. Semester und stießen dabei auf das Projekt „German Dental Care“ in Siquijor auf den Philippinen.Zufälligerweise ist der Ansprechpartner, Wulf Feinhals, ein ehemaliger Gießener Zahnarzt. Seine Antwort auf unsere per Email gesendete Anfrage kam sehr zeitnah und wir verabredeten ein persönliches Treffen in Gießen, da er 3 Monate des Jahres in Deutschland verbringt.

Nach dem persönlichen Kennenlernen bekamen wir schnell eine Zusage von Wulf. Er freute sich darüber, dass wir uns als fertig examinierte Zahnärzte beworben hatten, da er aus rechtlichen Gründen nur noch Approbierte annehmen darf.

Somit begann unsere Reise in Frankfurt am 04.09.2018. Nach mehreren langen Flügen -über Hongkong, Manila, einer Übernachtung in Dumaguete und einer Fährfahrt – kamen wir schließlich am 06.09.2018 auf Siquijor – Island an. Wulf erwartete uns bereits am Pier.

Er und seine philippinische Familie (s.Foto) empfingen uns mit offenen Armen und hatten uns bereits eine Unterkunft und einen Roller für die kommenden 4 Wochen organisiert.

Wulf zeigte uns am gleichen Tag unseren Arbeitsplatz – eine „Klinik“ an einer Grundschule in Larena – in ca. 10 Minuten mit dem Roller von unserer Unterkunft aus zu erreichen. Er erklärte uns daraufhin, dass wir jeden Morgen vor Arbeitsbeginn um 8:30 Uhr sowohl Wasser, als auch Generator anstellen müssen (s.Foto).

Am nächsten Tag begannen unsere ersten Behandlungen – unsere Patienten waren Highschool-Schüler mit guten Englischkenntnissen.

Unsere Aufgabe bestand darin, eine komplette Schulklasse durchzusanieren. Schnell wurde uns klar, dass großer Behandlungsbedarf besteht. Nach erfolgter Befundaufnahme führten wir zum größten Teil Füllungen und Extraktionen durch. Viele 6-Jahr-Molaren waren teilweise bis auf Gingivaniveau frakturiert oder kariös zerstört. Außerdem fiel uns besonders der kariöse Befall der Frontzähne auf – eine Auswirkung der stark zuckerhaltigen Getränke in Kombination mit schlechter Mundhygiene.

Da wir 15-Jährigen Patienten nicht ihre Frontzähne extrahieren wollten, versuchten wir dennoch die Zähne mit Caries-Profunda-Maßnahmen zu erhalten. Wurzelkanalbehandlungen waren uns aufgrund von fehlendem Röntgengerät, sowie den dafür benötigten Materialien nicht möglich.

Trotz ansonsten guter Ausstattung der Materialien, Behandlungsmittel und Sterilisator, muss man mit Strom – und Wasserausfall rechnen.
Uns beeindruckte vor allem die furcht-und angstlose Einstellung der Kinder gegenüber Zahnärzten, sowie die verminderte Schmerzempfindlichkeit bei z.B. Injektionen. Dies lässt sich möglicherweise damit begründen, dass es für die Meisten der erste Zahnarztbesuch war.

Fasziniert waren wir zudem davon, dass die Kinder uns nach erfolgter Behandlung und mit Blick in den Spiegel freudestrahlend in die Arme sprangen. „Thank you, Thank you, Thank you“ hörten wir nicht nur einmal am Tag. Im Laufe der Zeit fassten die Schüler immer mehr Vertrauen, amüsierten sich und wollten jede Menge Fotos und Selfies mit uns „weißen Europäerinnen“ machen.

Da unsere Arbeitszeit jeden Tag um 12 Uhr endete, blieb uns genügend Freiraum zur Erkundung der Insel und um viele philippinische Spezialitäten zu genießen.
Nach Zahnarzt Feinhals‘ Empfehlung konnten wir außerdem die Wochenenden dafür nutzen, auf Nachbarinseln (Apo-Island und Cebu) mit Schildkröten und Walhaien zu schnorcheln. Somit kam die Freizeitaktivitäten auch nicht zu kurz. Abschließend würden wir jedem – auch nach dem Studium und vor dem Berufseinstieg – empfehlen, einem sozialen Projekt im Ausland nachzugehen. Wir flogen mit zahlreichen neuen Erfahrungen und Eindrücken – besonders im Gesundheitswesen eines Dritte-Welt-Landes – nach Hause. Aufgrund dessen werden wir in Zukunft die hygienischen Bedingungen und Standards in Deutschland, sowie die uns möglichen Behandlungsmethoden noch mehr zu schätzen wissen.

Kontaktadressen:
Lia Ibbels
Gemeinschaftspraxis Dr. Brunner- Ibbels
Franz-Göhlerstrasse 20
63768 Hösbach
06021/51544
0163/3332391

Clara Seifert
0151/56925872

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